Buntstifte sind ihre Künstliche Intelligenz
Diplom-Designerin Julia Jankowsky aus Lübeck macht aus 2027 mit Charme und Witz ein buntes Kalendarium
Lübeck – Eines ist wahrlich unumstößlich: Das Jahr 2027 hat 365 Tage. Und ihnen hat die Grafik-Designerin Julia Jankowsky in ihrem Atelier in der Lübecker Glockengießerstraße 67 mit Buntstiften nicht nur Farbe, sondern auch mit sinn- und spaßgebenden Zeichnungen reichlich Inhalt verliehen. Die sorgfältig gezeichneten Motive sind in dem kalendarischen Gitterwerk noch echte Handarbeit und ganz ohne Künstliche Intelligenz entstanden – Sternzeichen und Vollmonde inklusive.
„Lediglich bei der Recherche nach wichtigen Terminen nutze ich das Internet mit allen Möglichkeiten – die Buntstifte sind meine Künstliche Intelligenz“, sagt Julia Jankowsky. Der Kalender werde ihr Handwerk bleiben – auf Papier und zum Aufhängen im Büro, an der Küchentür oder im Wohnzimmer. Das oft für Notizen genutzte Gitterwerk wird der zentrale Terminkalender irgendwo im Haus für alle zugänglich bleiben – ohne sich einloggen zu müssen.
Dabei wird 2027 nicht von geplanten Großereignissen beherrscht. Es plätschert eher so dahin, hat aber dennoch einige Überraschungen parat. Eine davon ist, dass Julia Jankowsky ihr Atelier „Julender“ am 21. Juli seit 20 Jahren in der Lübecker Glockengießerstraße ganz in der Nähe des Günter-Grass-Hauses betreibt. „Das wird 2027 mein ganz persönlicher Höhepunkt“, sagt Julia Jankowsky.
Den 2027 im 53. Jahrgang erscheinenden Jankowsky-Kalender hat Julia bereits 2003 von ihrem damals erkrankten Vater Günter († 2008) übernommen und später in ihrem Büro als Grafik-Designerin im Lübecker Werkhof gezeichnet. Um die Ecke entdeckte sie 2007 ihr erstes eigenes Atelier in der Glockengießerstraße 26. Mit dem wohlwollenden Zuspruch von Vater Günter unterschrieb sie den Mietvertrag. „Ich habe dort in dem kleinen, kuscheligen Atelier mit Garten mitten in der Stadt und einer netten Hausgemeinschaft sehr schöne Jahre verbracht“, blickt Julia Jankowsky zurück. 2023 kam der Umzug nur einige Häuser weiter in größere und modernere Räume. „Die Umgebung hier macht mich einfach kreativ“, schmunzelt die Diplom-Designerin, die unter anderem für Firmen Logos und Printmedien entwirft.
Doch zurück zum Kalender 2027: zu den gesellschaftlichen Höhepunkten zählen gleich zu Beginn die Handball-Weltmeisterschaft (ab 13. Januar) und die Neuwahl der Bundespräsidentin (30. Januar) sowie die Landtagswahl in Schleswig-Holstein und dem Saarland (18. April). „Für pfiffige Urlaubsplaner ist es dieses Jahr bedauerlich, dass einige Feiertage auf das Wochenende fallen“, erzählt Julia Jankowsky – auch mit Blick auf das Weihnachtsfest und Heiligabend an einem Freitag.
Das 25-jährige Jubiläum der Einführung des Euros feiert Julia Jankowsky Anfang Januar. „Auch heute noch rechne ich gelegentlich die in Euro ausgezeichneten Preisen im Kopf in D-Mark um“, grinst Julia Jankowsky. Das sei manchmal gar nicht gut. Nach der Stapelung der Kronen zum Fest der Heiligen Drei Könige erinnert sie an die Elbphilharmonie, die bereits seit zehn Jahren in Hamburg zu bestaunen ist, bevor der Steinbock im Handballtor einen Schneeball abwehrt und der Wassermann wertvolles Wasser transportiert. „Ich wünsche mir eine Frau als neue Bundespräsidentin, die am 30. Januar gewählt wird“, räumt Julia Jankowsky unumwunden ein – es sei denn, HaPe Kerkeling stelle sich der Wahl.
Im Februar kommt der erste von drei Leuchttürmen; „Hohe Weg“ steht nordwestlich von Bremerhaven. Und weil Julia Jankowsky Schneemänner und -frauen so gern mag, hat sie der Schneefrau zum Valentinstag ein Herz auf die Brust und ihrem Verehrer eine Rose in die Hand gezeichnet. Der kleine Kobold „Pumuckl“ wird am 21. Februar 65 Jahre alt und tanzt – leicht ergraut – um seinen Schoko-Donut herum. Im gleichnamigen Sternzeichen begegnen sich die Fische in Champagner-Laune auf außergewöhnliche aber doch betörende Weise.
Dem „Internationalen Frauentag“ am 8. März widmet Julia Jankowsky eine rote Fahne auf einer Boje. Ein Gärtner plagt sich mit seiner Aussaat durch den Schnee getreu dem Volkslied „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt...“ Nach dem Gedicht von Eduard Mörike malt die Künstlerin den Frühling, der sein blaues Band wieder durch die Lüfte flattern lässt, mit einem Widder. Ostern und die Umstellung auf die Sommerzeit fallen auf das Ende des Monats – mit dem Hasen, der zur nächsten Umstellung Ende Oktober auf einen ganz besonderen Freund stoßen wird, den Igel. Denn: der ist ja bekanntlich nach den Brüdern Grimm schon da.
Eine das Sauwetter genießende Sau planscht in einer Suhle des regenreichen Aprils. Selbst die Vogelscheuche sucht Schutz vor dem Regen unter einem Schirm. Der sonst als so kampflustig bekannte Stier lässt sich als Sternzeichen das Friedenssymbol „Peace“ umhängen – und setzt damit ein Statement.
Der wehende Maibaum „to go“ im Eimerchen eröffnet den Wonnemonat Mai. „Im Sinne des Klimaschutzes sollte nicht für jede Maifeier ein Baum gefällt werden“, sagt Julia Jankowsky. Ein fliegender Ballon stellt Himmelfahrt dar und beim Muttertag ist diesmal Mut gefragt. Jankowsky: „Es erfordert Mut, Mutter zu sein.“ Pfingsten gibt es einen Ausflug mit Bollerwagen, bevor die Zwillinge spazieren gehen und sich eine Frau Ende Mai bei steigenden Temperaturen schon mal die Socken auszieht.
Zwei junge Damen machen Anfang Juni ein Selfie. Die „Heidi“-Erfinderin Johanna Spyri wäre am 12. Juni 200 Jahre alt geworden. Julia Jankowsky lässt ihr vom Ziegen-Peter ein Ständchen auf der Flöte zum Geburtstag spielen. Auf dem Nürburgring wurde am 18. Juni vor 100 Jahren das erste Autorennen gefahren. Im Schirm sammelt Julia Jankowsky schon mal das Regenwasser, das nach ihrer Prognose während der dann zu Ende gehenden Kieler Woche fallen wird.
Der Krebs macht sich Anfang Juli am kalendarischen Gitterwerk zu schaffen, bevor die Rolling Stones ihren ersten Auftritt vor 65 Jahren feiern. Der Juli-Leuchtturm heißt Cap Arkona und steht auf der Insel Rügen. Der Gärtner aus dem März zeigt Ende des Monats seine reiche Ernte und freut sich darüber in den August hinein.
Tierisch wird es danach im August: Der Zebra-Streifen feiert seinen 75. Geburtstag, bevor Julia Jankowsky dem bedrohten Vogel Wendehals ihre besondere Aufmerksamkeit widmet und Urlaubsstimmung an der Ostseeküste verbreitet. Die Jungfrau scheut sich Ende des Monats schüchtern, an den FKK-Strand zu gehen. Die kleine Rose steht für den 30. Todestag von Lady Diana. „Ein Datum, das Vielen in Erinnerung geblieben ist“, so Julia Jankowsky.
Der September macht anfänglich noch das Zelten möglich, doch das Sofa naht. Zur Erntezeit backt Julia Jankowsky einen Apfelkuchen und trinkt einen Apfelpunsch dazu. Ein in einem mit Bier gefüllten Maßkrug badender Bayer symbolisiert den Beginn des Münchener Oktoberfestes. Sportlich wird Ende des Monats das Sternzeichen Waage dargestellt.
Im Oktober kommt der Gärtner mit seiner Schubkarre und einer Riesenbirne zum Erntedankfest. „Die große Birne ist kein Zufall, soll sie doch an Bundeskanzler Helmut Kohl, seinen Spitznamen und den Tag der Deutschen Einheit erinnern“, so Julia Jankowsky. Dem Beginn der Buchmesse in Frankfurt folgt am 16. Oktober der 100. Geburtstag von Günter Grass – Julia Jankowsky zeigt ihn als Trommler für die Demokratie. Im Hintergrund wird getanzt, auch eine Leidenschaft des Nobelpreisträgers. „An diesem Tag wird nicht nur in der Glockengießerstraße gefeiert, sondern in ganz Lübeck und darüber hinaus“, freut sich die Zeichnerin. Der Skorpion lässt einen solidarischen Regenbogen-Drachen steigen und der schon vor dem Hasen ins Ziel eingetroffene Igel läutet am Reformationstag die Winterzeit ein.
Mit Allerheiligen Anfang November kommen die Camper aus dem September wieder ins Spiel. Das Pärchen hat sein Sofa gefunden und macht es sich jetzt vor dem Lagerfeuer im TV-Gerät und Foto vom Zelt an der Wand gemütlich. Das letzte Laub fällt von den Bäumen und der Leuchtturm auf Hörnum weist den Schiffen den Weg. Über den Bogen des Sternzeichens Schütze, geht es auch schon in den Advent.
Zunächst mit schlichtem Adventskranz, der aber im Dezember immer prächtiger wird. Am 4. Advent fängt der Kranz an zu nadeln. Das macht dem Weihnachtsmann aber nichts aus und er übernimmt die Rolle der Lucia und schmettert mit dem Kranz auf dem Kopf Weihnachtslieder. Zu Silvester wird wieder gespannt auf die Uhr geschaut.
Michael Kuhr, Eutin