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Pressetext 2012 2011 2010

 

 

 

 

 

 

 2011 – Das Jahr der Jubiläen

Lübeck – Farbenfroh setzt Julia Jankowsky das Jahr 2011 ins Bild. Mit ihrem hintergründig und satirisch illustrierten Wandkalender haucht die 40-jährige Diplom-Designerin in ihrem Atelier in der Lübecker Altstadt den 365 Tagen des Jahres das pralle Leben ein. Die 37. Ausgabe des Gitterwerks präsentiert sich allerdings bis auf die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Deutschland ausgesprochen sportarm, dafür aber voller Jubiläen, die Julia Jankowsky persönlich mit ihrem trockenen, norddeutschen Witz ganz unterschiedlich gewichtet hat.

„Natürlich sind im Gitterwerk persönliche Daten als kleiner Einblick in das Privatleben versteckt“, sagt Julia Jankowsky mit ernstem Blick auf ihren Kalender – der Flachmann für ihren Lebensgefährten Carsten zum Geburtstag (20. Dezember) oder der Apfelbaum zum Todestag von Vater Günther Jankowsky (12. Mai). Die Darstellung von Vollmonden stellt für die Betrachter wieder einen besonderen Service dar. 2011 kommen neben der spitzfindigen Satire vor allen Dingen viele Jahrestage nicht zu kurz. Julia Jankowsky: „Trotzdem bietet der Kalender genügend Platz für ganz persönliche Einträge.“

Was wären 365 Tage eines Jahres ohne das farbenfrohe Kalendarium aus der Ideenschmiede Julia Jankowskys? Auch, wenn nicht viel los ist, hat die Kalenderzeichnerin das von der Ereignislage her doch eher ruhige Jahr graphisch sehr lebhaft gestaltet. Dem 40. Todestag von Coco Chanel am 10. Januar widmet sie eine Tasche. Und nachdem der Hund in den Schnee abtaucht, freut sich ein „fruchtig-getunter“ Schneemann über Erdbeeren, Kirschen, Bananen, Pflaumen und eine Gurke zur Zierde. Das Signal: „Wir sollten im Winter importiertes Obst den Schneemännern geben oder es gar nicht erst kaufen“, sagte Jankowsky und schloss den Januar mit dem ersten Leuchtturm des Jahres aus Bremerhaven.

Ziemlich ruhig beginnt der Februar mit dem Familienfoto einer langjährigen Freundin von Julia Jankowsky. Der Cowboyhut am 8. gehört James Dean und erinnert an seinen 80. Geburtstag. Zur Freude der 40-Jährigen feiert „Wetten, dass...“ am 14. Februar seinen 30. Geburtstag. Sie erinnert sich gern an die Wette mit dem Buntstifte-Lutscher, der von einer Satirezeitschrift geschickt wurde, um Gottschalk auf den Arm zu nehmen. Dem Vogel im Baumhaus folgen ein Selbstporträt und das Anstoßen auf den 41. Geburtstag von Julia Jankowsky. Die Farbpalette am 25. steht für den 170. Geburtstag von Auguste Renoir.

Rosa Luxemburg in rosa hat sich das Monument zum 140. Geburtstag verdient, meint Julia Jankowsky zu Beginn im März. Vater Günter hätte am 10. Geburtstag. Janosch bekommt zu seinem 80. Geburtstag am 11. eine Leoparden-Ente geschenkt. Am 12./13. ist es Zeit, den Schnee auszukehren und der Sehnsucht nach Farbe freien Lauf zu lassen. Sehnsucht hat offensichtlich auch die junge Frau nach ihrem Baumhaus, das noch vom Vogel besetzt ist. Ende März wird die Sommerzeit eingeläutet.

Max Ernst wird am 2. April mit seiner Habakuk-Statue zum 120. Geburtstag gewürdigt. Die typisch norddeutschen Regenschauer im April ziehen vorbei bis zu einem Angler, der vom Aussterben bedrohte Heringe fischt. Julia Jankowsky fordert ein Verbot der Industriefischerei auf Heringe und lädt mit Formen der Atommeiler gleichen Eiern zu Ostermärschen gegen die Atomkraft ein. So jährt sich am 26. April das Unglück von Tschernobyl zum 25. Mal.

Tanzend im roten Kleid feiert Julia Jankowsky am 1. Mai den „Tag der Arbeit“. Einen Stern gibt es am 6. zum 140. Geburtstag von Christian Morgenstern. Die Mutter wird zum Muttertag (8.) auf Watte getragen und mit Liebe zugeschüttet. Schon einen Tag später beginnt die Volkszählung in Deutschland. Julia Jankowsky ist Fan des European Song Contest und freut sich für Lena über den Sieg: „Endlich kommen wir mal von ‚ein bisschen Frieden’ weg.“ Am 21. macht der Herr Mai die Bäume wieder grün – mit einem versteckten Hinweis auf den 540. Geburtstag von Albrecht Dürer. Anmesty international bekommt zum 50. Geburtstag (28.) eine Torte und Jeanne d’Ark zum 580. Todestag (30.) ein Schwert.

Mit einem Blick zum Himmelfahrtstag (2.) in den Himmel eröffnet die Lübecker Diplom-Designerin den Juni. Das Schattentheater steht für den „Freischütz“ von Carl Maria von Weber, der am 5. vor 185 Jahren starb. Außerdem wurde der „Freischütz“ 1911 uraufgeführt. Zu Pfingsten geht es bei den Jankowskys mit dem Zelt auf Tour. Der Kieler Leuchtturm (18.) beleuchtet den Beginn der Kieler Woche. Die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen wird am 26. angestoßen.

„Der alte Mann und das Meer“ steht Anfang Juli für den 50. Todestag (2.) von Ernest Hemmingway. Der alte Mann gewinnt allerdings den Kampf gegen den Marlin, den er im Boot transportiert. Vogel des Jahres 2011 wird der Gartenrotschwanz (10.). Julia Jankowsky hat eine Torwand für Frauen gebaut mit einem extra großen Einschuss-Loch. „Die Frau trifft natürlich ins linke, kleine Eck“, freut sie sich. Vom Torloch geht es über das Sommerloch (23./24.), das jetzt endlich sichtbar gemacht wurde, hin zum Ende der Erdbeerzeit.

 

Der Musiksender „MTV“ feiert am 1. August seinen 20. Geburtstag. Ein Urlaubsmotiv zeigt den Bettenwechsel mit leeren und vollen Koffern (6./7.). Dem 225. Jahrestag der Erstbesteigung des Mont Blanc (8.) folgt ein Kompass mit der deutsch-deutschen Grenze als funktionslose Nadel – eine Erinnerung an den 50. Jahrestag (15.) der Errichtung der Mauer. Julia Jankowsky erinnert mit einem König in der Hängematte (20.) an den 15. Todestag von Rio Reiser. Eine Hochzeit beendet den August.

Im Gitterwerk von Julia Jankowsky müssen Anfang September die Störche wegen der Klimakatrastophe nur bis nach Spanien fliegen. Die Freiheitsstatue erhält am 11. September einen Trauerumhang, feiert aber 2011 auch ihren 125. Geburtstag. Der September ist für die Zeichnerin auch der Beginn der Teezeit. Kurzerhand setzt sie die Besatzung aus dem Film „Das Boot“, der an dem Tag vor 30 Jahren Premiere feierte, in eine Teekanne. Gleichzeitig, so signalisiert es die bayerische Flagge, beginnt in München das Oktoberfest. Seit 65 Jahren gibt es die „Goldene Palme“ von Cannes (20.). Etwas traurig schaut das Kastanienmännchen mit Eichelkopf und abgebranntem Arm drein.

Der „Tag der Deutschen Einheit“ geht mit dem Ende des Oktoberfestes Anfang Oktober einher. Schön anzusehen das Segelschiff „Fram“ von Fridtjof Nansen, das zum 150. Geburtstag des Polarforschers (10.) noch einmal lossegelt. In kaum einem der bisher 37 Jankowsky-Kalender fehlte der Start der Frankfurter Buchmesse (12.), die am 16. mit Gastland Island beendet wird. In Stein meißelt Julia Jankowsky den Komponisten Franz Liszt zu dessen 200. Geburtstag. Vergessen hat sie auch nicht den 130. Geburtstag von Pablo Picasso (25.) und das Ende der Sommerzeit bevor die Hexe zum Halloween durchstartet.

Das Warnemünder Mohlenfeuer eröffnet den November bevor ein Schirm in Regenbogenfarben den grauen Alltag am Volkstrauertag (13.) erhellt. Ob die Flügel am Rücken des Mannes am Totensonntag (20.) nur aufgeklebt oder angewachsen sind, überlässt Julia Jankowsky der Phantasie des Betrachters. Mit Pfeilen auf der Zielscheibe symbolisiert die Diplom-Designerin die Adventssonntage bis in den Dezember hinein. Wer die Zielscheibe am 4. Advent umgeworfen hat, verrät sie zu Weihnachten. Es war der Weihnachtsmann, der sich beim Yoga von der hektischen Vorweihnachtszeit entspannt. Die Betrachter des Kalenders gehen durch ein Tor ins neue Jahr.

 

   Michael Kuhr, Eutin - Okt. 2010

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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